Stationen

1) Das Rohrbacher Schlösschen

Kam der Reisende im 19. Jahrhundert von Süden nach Rohrbach, fuhr die Postkutsche kurz vor dem Ortseingang an einem malerischen Ensemble von Landsitz, Park und See des Erbprinzen Carl August vorüber. Dieser Landsitz, das so genannte „Schlösschen“, konnte in den letzten 120 Jahren als Krankenhaus ausgebaut und erhalten werden. Die Repräsentationsräume sind zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise zu Weinproben, auch für Besucher nutzbar.

2) Joseph von Eichendorff und Rohrbach

Heidelberg ist romantisch…und der Kühle Grund in Rohrbach ist natürlich eine besonders romantische Ecke von Heidelberg – Dies gilt im doppelten Sinne des Wortes, denn ein, um nicht zu sagen DER Romantiker, Joseph Freiherr von Eichendorff hat diesem Fleckchen Erde besondere Aufmerksamkeit und letztlich auch ein Gedicht gewidmet. Zum Volkslied avanciert ist es heute in aller Munde…doch wie kam es dazu? Die Liebe, natürlich die Liebe ist „schuld“ daran! Hintergründe und Hintergründiges dazu erklärt uns Tafel 2…

3) Das Rohrbacher Heimatmuseum

Früher war alles besser! Doch wo finden sich noch Zeugnisse des dörflichen Lebens von einst, und war wirklich alles besser? Das Heimatmuseum Rohrbach entführt den Besucher in die Welt unserer Urgroßeltern oder noch weiter zurück. Wer weiß heute noch, dass der Tabakanbau in Rohrbach florierte, oder dass die Straßenbahnwagen vieler Städte in Europa von fleißigen Rohrbacher Arbeitern gebaut wurden? Und eine „Frischwasserpipeline“ sollte den Kurfürstlichen Hof in Mannheim mit Rohrbacher Bergwasser verwöhnen, dabei aber auch die Mühlen im Kühlen Grund noch betreiben. Dies und vieles mehr dokumentiert das liebevoll gestaltete Museum anschaulich!

4) Rohrbacher Persönlichkeiten

Was wäre ein Ort ohne seine Originale, Helden, Patrioten und Galionsfiguren? Rohrbach kann sich damit rühmen, gleich einen ganzen Strauß schillernder, bunter oder geistreicher Gesellen vom Mittelalter bis in unsere Tage hervorgebracht zu haben. Orte prägen Menschen – Menschen prägen Orte! Einige davon werden auf Tafel 4 vorgestellt – sicher lässt sich die Reihe noch fortsetzen, halten Sie also stets die Augen auf, wer aus Ihrer Sicht in diesen Reigen aufgenommen werden sollte!

5) Wein und Kultur – Seit Jahrtausenden in enger Verbindung

Wein zählt zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit. In der griechischen Antike war der Wein Gegenstand religiöser Verehrung und Sinnbild der Kultur. Vor 2000 Jahren haben die Römer den Weinbau mitgebracht. „Hier fängt Deutschland an, Italien zu werden“ sagte Kaiser Joseph II. 1764 bei einem Besuch an der Bergstraße, und nicht nur die Dichter der Romantik wussten dies zu schätzen. Diese Kultur blieb in Rohrbach lebendig und prägt hier noch heute Landschaftsbild, Lebensgefühl und Lebensfreude!

6) Streuobstwiesen – Artenreichtum fast wie im Tropischen Regenwald!

An diesem Standort prägen herrliche alte Obstbäume das Landschaftsbild. Vitale und absterbende Bäume stehen nebeneinander. Gemeinsam mit der Wiesenvegetation bietet dieser totholzreiche Baumbestand eine Fülle von Lebensräumen für seltene und bedrohte Pflanzen und Tiere. Geschützte Vogelarten wie Gartenrotschwanz und Spechte sind häufige Gäste. Eidechsen, Schmetterlinge und seltene Käfer können hier entdeckt werden – es lohnt sich, an dieser Tafel etwas zu verweilen!

7) Die Geschichte des Weinbaus in Rohrbach

Die erste belegte Erwähnung von Rohrbach war die Schenkung eines Weinbergs am 31. Dezember 766, vermerkt im Lorscher Codex. Damit ist Rohrbach eine der ältesten Weinbaugemeinden an der Badischen Bergstraße. Noch vor 50 Jahren hatte nahezu jeder Bürger seinen eigenen Weinberg. Durch den Strukturwandel und den Flächenverbrauch der letzten 100 Jahre bedingt, sind es heute noch wenige „Hobbywinzer“, die gemeinsam mit drei örtlichen Weingütern die Zukunft des Weinbaus sichern.

8) Integrieter Pflanzenschutz im Weinbau – Nachhaltiger Weinbau mit Verantwortung für Mensch und Umwelt

Mensch, Weinstock und Kulturlandschaft, das bedeutet nicht nur geben und nehmen, sondern auch Verantwortung für das Ganze. Der Grundsatz der Nachhaltigkeit unter Einbeziehung aller zur Verfügung stehenden Möglichkeiten findet sich in dem wieder, was als „Integrierte Produktion“ bezeichnet wird. Insbesondere im Pflanzenschutz sind hier intelligente Lösungen gefragt, über die man hier näheres erfahren kann.

9) Die Rebsorten in Deutschland

Wenn wir heute Wein kaufen, ist eine der ersten Fragen, die nach der Rebsorte. Dies war nicht immer so: Die Weinberge unserer Vorfahren waren meist mit verschiedensten Rebsorten bestockt, was krankheits- und witterungsbedingte Ertragsschwankungen mildern sollte. Wein wurde in der Regel nicht sortenrein angebaut, ausgebaut oder gelagert. Heute ist dies anders: Der Verbraucher gibt Trends vor, denen der Erzeuger in An- und Ausbau individuell gerecht wird.

10) Prognose-Wetterstation Rohrbach

Ein wesentlicher Baustein zum umweltschonenden Weinbau ist das Erkennen und Vorhersagen von Rahmenbedingungen, die Pilze und auch tierische Schädlinge begünstigen. Durch eine Aufzeichnung und Vorhersage von Temperatur, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit lässt sich auch der Infektions- und Schädlingsdruck vorhersagen. Die Mess-Station an diesem Tafelstandort erfüllt genau diese Aufgabe. So werden heute Pflanzenschutzmaßnahmen exakt terminiert und der Aufwand dadurch reduziert!

11) Wildkräuter der Weinberge

Warum sind Rehe eigentlich so sportlich gesund? Gesunde Ernährung, das ist hier die Grundlage! Nur ganz bestimmte Pflanzen werden selektiert, und von diesen Pflanzen meist nur die Triebspitzen! Die Rehe machen es richtig: hier ist die höchste Konzentration wertvoller Inhaltsstoffe! Auch der Mensch macht sich die Wirkstoffe solcher Pflanzen zu Nutze und kennt diese vielerorts noch als Heilkräuter. Doch wo wachsen heute noch Schafgarbe, Vogelmiere, Taubnesseln und Spitzwegerich? Zum Glück sind im modernen Weinbau die Fahrgassen in den Rebzeilen begrünt, und in dieser Nische konnten viele ehemalige Wiesenpflanzen und Ackerwildkräuter überleben. Gehen Sie einmal mit offenen Augen durch die Weinberge – Sie werden staunen!

12) Der Steinbruch Rohrbach – Von Muscheln, Meeren, Wein und Zement

Warum steht das Zementwerk ausgerechnet hier? Und was machen die Muscheln hier oben auf dem Berg? Ein Meer hat vor 200 Millionen Jahren Ablagerungen hinterlassen, die zur Grundlage bester Böden für den Weinbau wurden, und seit 2000 Jahren auch den Ausgangsstoff für Baumaterialien liefern. So lag es nahe, das vor 100 Jahren auch das Zementwerk vom die Energie liefernden Neckar zu den das Material liefernden Steinbrüchen zog.

13) Der rekultivierte Steinbruch Rohrbach – Heuschrecken bunt wie Schmetterlinge und eigenwillige Vögel

Nach der Nutzung kann man einen Steinbruch sich selbst überlassen, wie wir es im benachbarten Leimener Steinbruch erkennen, oder „auffüllen“ und rekultivieren, wie an diesem Standort. Eine strukturreiche Kulturlandschaft mit Mauern, Hecken und Schotterflächen lädt hier ein, um Heuschrecken bunt wie Schmetterlinge zu entdecken, und Vögel zu beobachten, die Ihre Beute als Vorrat auf Dornen aufspießen.

14) Pilzkrankheiten der Rebe – Die größten Schaderreger im Weinbau

Den größten wirtschaftlichen Schaden Weinbau können Pilze verursachen. Nicht nur Blätter und Früchte, auch ganze Rebstöcke können dauerhafte Schäden durch Pilzinfektionen erleiden. Nur durch richtige Standort- und Sortenwahl, angepasste Laubarbeit, vorausschauende Pflanzenernährung und exakt terminierte Pflanzenschutzmaßnahmen lassen sich Pilzinfektionen rechtzeitig abwehren! Dazu trägt die an Tafel 5 beschriebene Prognose-Station wesentlich bei!

15) Durch diese hohle Gasse – Hohlwege prägen Wald und Weinberge seit Jahrhunderten

Warum sind in manchen Regionen im Kraichgau und am Kaiserstuhl Wege metertief in die Erde eingeschnitten? Gibt es diese Art von Wegen auch in Heidelberg? Ein kleiner Blick in das „Verkehrsmanagement“ früherer Jahrhunderte und in die Auswahl der Bereifungen unserer Vorfahren erklärt hier die Entstehung einer eigenen Welt, die in Weg- und Flurnamen noch heute lebendig ist.

16) Muschelkalk in allen Formen – Ein Gestein Prägt die Landschaft

Seit 1896 steht das Zementwerk in Leimen. Nachhaltig wurde die Landschaft in mehrerlei Hinsicht dadurch geprägt: Die artenreichen ehemaligen Abbaustätten im Muschelkalk, die imposanten und zahlreichen Bauwerke aus dem Endprodukt und natürlich das denkmalwürdige Werk selbst fallen demjenigen, der Heidelberg von Süden her erreicht unübersehbar ins Auge!

17) Naturschutzgebiet Steinbruch Leimen Eine Oase für bedrohte Arten

Der Steinbruch Leimen steht seit 1995 unter Naturschutz. Vom kleinen Schmetterling bis zum mächtigen Uhu finden hier alleine über 60 „Rote-Liste-Arten“ ein Zuhause – und das mitten in der Metropolregion! Einmalig ist an der Grenze Heidelberg/Leimen auch ein vernetztes Nebeneinander eines offen gelassenen und eines rekultivierten Steinbruchs!

18) Dauerbegrünung – Grüne Weinberge und blühende Landschaften

Heute ist es grün in unseren Weinbergen, und das 365 Tage im Jahr (wenn nicht gerade eine Schneedecke die Landschaft verzaubert). Doch wie war es früher? Warum duldete man damals keinen Grashalm im Weinberg, und heute ist ein „vergraster Weinberg“ ein wichtiger Bestandteil eines Bearbeitungskonzeptes? Boden, Landschaft, Reben, Winzer und Erholungssuchende freuen sich darüber!

19) Schädlinge im Weinbau – Nicht nur wir lieben den Wein…

Wein schmeckt – nicht nur uns Menschen! ­Die Rebe wird von verschiedensten „Schadorganismen“ bevorzugt: Von winzigen Spinnen und kleinsten ­Insekten über hungrige Vögel bis hin zu wehrhaften Dachsen und Wildschweinen. Wer nagt und saugt alles an unseren Rebstöcken? Einen kleinen Einblick, insbesondere in den „Mikrokosmos“ gibt uns diese Tafel!

20) Moderne Fallensteller auf dem Heidelberger Dachsbuckel

Pioniere stellen Fallen! Das galt nicht nur bei den alten Trappern, sondern vor über 20 Jahren auch auf dem Dachsbuckel, wo das staatliche Weinbauinstitut aus Freiburg im Betrieb der Familie Bauer mit der „Verwirrmethode“ (Pheromon“fallen“) den Traubenwicklern die Partnersuche erheblich erschwerte, und damit im integrierten Pflanzenschutz zum Vorbild wurde!

21) Biotope zwischen Wald und Wein – die Übergänge sind es…

Genau hier ist die Hochebene der Gaisbergscholle ist für viele Pflanzen und Tiere besonders attraktiv: Odenwald, Kraichgau, Bergstraße, Rheinebene – alles liegt hier in Sichtweite! Wald, Weinberge, Wiesen, Äcker, Gewässer – alles liegt hier nebeneinander – und das ist für viele Tierarten essentiell, denn sie sind Wanderer zwischen diesen Welten und brauchen in ihrem Lebenszyklus unterschiedliche Biotope – hier finden sie diese!

22) Muschelkalk unter Sandstein – Geologische Revolution?

Der Einbruch des Rheingrabens war kein erd­geschichtliches Katastrophenereignis gewesen. Die Absenkung geschah für mensch­liches Zeitempfinden sehr langsam und dauert heute noch an. Hier im Tal des Emmertsgrundes zeigt uns ein kleiner Kalksteinbruch als Fenster in die Vergangenheit, dass der Muschelkalk entgegen der Erdgeschichte durch den Rheingrabenbruch nun unter dem Buntsandstein liegt.

23) Der Jahreszyklus der Rebe – Die vier Jahreszeiten der Weinberge

Eine Wanderung durch die Weinberge ist zu jeder Jahreszeit interessant: Farbe und Gestalt der Weinstöcke sind in einem ständigen Wandel, der sich alljährlich wiederholt. Die gleiche Landschaft immer wieder neu erleben, das ist niemals das Selbe: So bleibt es nahezu täglich aufs Neue spannend, Farben und Formen der Rebstöcke zu erleben – der Winzer sorgt dafür, das es auch weiterhin so bleibt!

24 ) Junger Boden und alter Wirtschaftsweg – Kulturlandschaftliche Zeugnisse der Nutzungsgeschichte

Dort, wo heute tausende von Kraftfahrzeuge mit (zu) hoher Geschwindigkeit Pendler von den Wohngebieten am Berg zu den Arbeitsplätzen im Tal befördern, fuhren Jahrhunderte lang Landwirte und Winzer mit eisenbereiften Gespannen von ihrem Wohnort Rohrbach hinauf auf die Gaisbergscholle, um dort Wiesen, Weinberge und den Wald zu bewirtschaften. Dadurch entstand im Löß ein Hohlweg, der uns – wenn man es richtig erkennt – sowohl die Erd- als auch die Wirtschaftsgeschichte erklären kann. Und nebenbei entstand so auch ein wertvoller Lebensraum für bedrohte Arten!

25) Mechanisierung im Weinbau – Strukturwandel und technischer Fortschritt

Mähdrescher kennt heute jedes Kind  – aber welche Fahrzeuge, Maschinen und Geräte haben in den letzten 50 Jahren dazu beigetragen die körperliche Anstrengung und den hohen Arbeitszeitbedarf im Weinberg zu reduzieren? Je nach Hangneigung konnte die Arbeitszeit im Weinbau in den letzten 100 Jahren pro Hektar von über 2000 auf knapp 200 Stunden reduziert werden. Wie wurde das möglich? Tafel 25 gibt Auskunft dazu!

26) Die Vogelwelt aufgelassener Weinberge – Eine Welt im Wandel

Alle Vögel sind schon da…aber wo sind sie am liebsten? Im Wald? In den Weinbergen? In den Wiesen? So richtig wohl fühlen sich die meisten Vogelarten, wenn all diese Biotope nebeneinander liegen, und noch besser, wenn es auch ungeplante, ungeregelte Übergänge zwischen den Vegetationstypen gibt: Ein Weinberg liegt brach und verwaldet langsam, eine Wiese ist ungenutzt und verbuscht…doch Vorsicht, ist erst einmal alles Wald, dann wird es für viele Arten wieder zu “langweilig“! Landschaftspflegerische Maßnahmen können solche Prozesse zum Artenschutz steuern!

27) Das Jahr des Winzers

Winzer müsste man sein! Der liebe Gott lässt den Weinstock wachsen und die Trauben reifen, man muss sie nur im Herbst nachhause holen…oder gibt es da doch ein wenig mehr zu tun? „Der Weinberg will jeden Tag seinen Herrn sehen“, lehrten uns unsere Vorfahren…und richtig gut wird der Wein ja erst im Keller..und vom Fass in die Flasche und letztlich auf den Tisch des Verbrauchers sollte er ja auch noch! Das Jahr des Winzers – es kennt keine Pause, weder im Weinberg, noch im Keller – Tafel 27 hilft den Blick hierfür zu schärfen!